HWK Düsseldorf

Zusammen ergibt es einen Leuchtturm - Handwerksbetriebe drosseln den Energieverbrauch mit einem Effizienz-Netzwerk

Deutschland macht's effizient: Das erste Effizienz-Netzwerk von Unternehmerinnen im Handwerk im Porträt der Kampagne des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

Im Handwerk ist ein schonender, sorgfältiger Umgang mit Ressourcen schon immer überlebenswichtig. Mit dem bundesweit ersten Energieeffizienz-Netzwerk im Handwerk schmiedeten neun Essener Unternehmerinnen ein besonderes Bündnis: Sie senken gemeinsam ihren Energieverbrauch, reduzieren Betriebskosten und schützen das Klima.

Der Funke springt sofort über, als die Mitinhaberin einer Goldschmiede in Essen erstmals von der Idee hört, sich mit weiteren Unternehmerfrauen im Handwerk zu einem Energieeffizienz-Netzwerk zusammenzuschließen: „Die Männer frauen sich offenbar nicht, denn es gibt noch keines im Handwerk. Also machen wir es“, erklärt Waltraud Schöne in ihrer pragmatischen Art. Gesagt, getan. Im Februar 2016 schlossen sich neun Essener Betriebe für die Laufzeit von zwei Jahren zum landesweit ersten Energieeffizienz-Netzwerk im Handwerk zusammen. Die Initiative Energieeffizienz-Netzwerke ist ein Aktionsbündnis von 22 Wirtschaftsverbänden sowie dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und dem Bundesumweltministerium (BMUB). Die Initiative ist Teil des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz (NAPE) der Bundesregierung.

Im ganzen Land haben sich quer durch alle Branchen im Rahmen der Initiative inzwischen rund 1.300 Unternehmer in derzeit 131 moderierten Energieeffizienz-Netzwerken verbündet, um ihren Energieverbrauch und ihre Energiekosten auf ein Minimum zu senken, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und beizutragen, dass Deutschland seine Klimaziele erreichen wird. Lediglich im Handwerk gab es vor der Gründung der Essener Unternehmerfrauen noch kein Energieeffizienz-Netzwerk.

„An der Schraube für Energiekosten wollte ich gern mal drehen“

Die gelernte Goldschmiedin Schöne konnte als Vorsitzende des Verbands Unternehmerfrauen im Handwerk Essen im Handumdrehen acht weitere interessierte Betriebe für die Netzwerkidee begeistern: darunter drei Elektro- und zwei Malerbetriebe, die Goldschmiede, zwei Dachdeckerbetriebe und eine Unternehmensberaterin. Alle – anders als etwa Bäckereien oder Fleischereien – nicht besonders energieintensiv. Und dennoch: „Die kontinuierlich steigenden Energierechnungen waren in unsrer Goldschmiede massiv. An der Schraube für Energiekosten wollte ich gern mal drehen“, beschreibt Mitinhaberin Schöne ihre Motivation. Ihre Stromkosten hatten sich in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 50 Prozent erhöht und lagen zuletzt bei knapp 5000 Euro im Jahr.

Energieverschwendung zu stoppen wird zum sportlichen Ehrgeiz

Damit der Funke für das Netzwerk zünden konnte, hat Gabriele Poth, Leiterin der Abteilung Umwelt und Energie bei der Handwerkskammer Düsseldorf, im Vorfeld Hindernisse aus dem Weg geräumt. „Für Handwerksbetriebe ist es anders als für Industrieunternehmen entscheidend, dass durch das Netzwerk keine Kosten anfallen. Zumal sie ohne eine Energieberatung die vielen Möglichkeiten Energie zu sparen, noch gar nicht im Blick haben können“, so die Initiatorin und Moderatorin des Effizienz- Netzwerks der Essener Unternehmerfrauen. Poth konnte den Ökostromanbieter Energiegenossenschaft Rhein-Ruhr dafür gewinnen, die fachliche Energieberatung des Effizienz-Netzwerks kostenfrei zu übernehmen. Die Fachreferenten für Workshops zu Energieeffizienz-Themen organisierte die Moderatorin über die Handwerkskammer. Das Handwerk als wichtiger Akteur beim Klimaschutz? Gabriele Poth kontert: „Die Einsparpotenziale sind im Handwerk verglichen mit einem Stahlwerk natürlich gering. Dennoch gilt, jeder Betrieb – auch wenn er nicht energieintensiv ist – kann Energie sparen. Zusammen ergibt es dann auch einen Leuchtturm.“ Insgesamt beschäftigen die neun inhabergeführten Betriebe des Netzwerks immerhin 100 Mitarbeiter und 20 Azubis – und sie haben in den vergangenen eineinhalb Jahren den sportlichen Ehrgeiz entwickelt, ihren Energieverbrauch nachhaltig zu drosseln.

Jeder Betrieb kann bis zu 10 Prozent seiner Energiekosten reduzieren

Das Netzwerk hat sich das gemeinsame Ziel gesetzt, in zwei Jahren insgesamt 13.500 Kilowattstunden Energie und rund fünf Tonnen des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 einzusparen, so die Selbstverpflichtung der neun Betriebe. Diese Einsparung entspricht dem CO2-Ausstoß von circa 700.000 Fahrtkilometern eines Mittelklassewagens. Ohne Effizienzmaßnahmen summierte sich bei den neun Betrieben bislang der Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 auf insgesamt 164 Tonnen pro Jahr. 

„Es ist durchaus möglich, dass wir am Ende sogar zehn Prozent Einsparung erreichen“, vermutet Jörg Wegener, Energieberater von der Energiegenossenschaft Rhein-Ruhr angesichts der Dynamik, die das Netzwerk von Anfang an entwickelte, um sich mit neuen Ideen immer weiter anzuspornen. Jeder Handwerksbetrieb könne durch einfache Effizienzmaßnahmen bis zu zehn Prozent seiner Energiekosten reduzieren, weiß Wegener aus Erfahrung.

Entscheidend ist für Moderatorin Poth, dass die Handwerksbetriebe überhaupt anfangen, in ein neues klimabewusstes Denken zu finden. Mit Material und Ressourcen sei das Handwerk schon immer sorgfältig und schonend umgegangen. Noch nicht so ausgeprägt sei das Bewusstsein, dass der Energieverbrauch und Ausstoß von Treibhausgasen optimiert werden können.

Hier erkennt sie einen entscheidenden Vorteil der Netzwerke: „Zusammen fängt man leichter an. Die sehen die Einsparpotenziale in anderen Betrieben und fragen sofort: Kann ich das auch machen?“ Goldschmiedin Waltraud Schöne bestätigt: „Wenn man erst einmal angefangen hat, mit Energie effizient umzugehen, wird es fast zur Sucht. Wir merken jetzt, was wir im Handwerk beitragen können, um das Klima zu schützen und diesen Gedanken weiterzupflanzen.“

Durch das Netzwerk aufgerüttelt

Zu Beginn der Netzwerksarbeit analysierten Energieberater Jörg Wegener von der Energiegenossenschaft Rhein-Ruhr und Peter Scharfenberg, Fachreferent für Klimaschutz und Energiemanagement der Handwerkskammer, bei neun Betriebsbegehungen die jeweiligen Quellen für Energieverschwendung. Sie identifizierten die Einsparpotenziale jedes Betriebs und machten Vorschläge, mit welchen Maßnahmen jeder welche Einsparung erreichen könnte. Diese präsentierten sie beim ersten Netzwerktreffen vor allen Unternehmerinnen. Die Beleuchtung etwa war in jedem Betrieb ein Thema.

Seit Herbst 2016 setzen die Unternehmerinnen nun Schritt für Schritt die Effizienzmaßnahmen um. Stromfressende alte Neonröhren sind inzwischen durch effiziente LED-Leuchten ersetzt worden. Die Informationsveranstaltung dazu fand praktischerweise beim Lichtspezialisten Elektro Beinert-Knotte statt, der am Netzwerk teilnimmt. Die Kosten für die neue LED-Beleuchtung werden die Betriebe im Durchschnitt in wohl zwei Jahren durch geringere Stromrechnungen wieder reinholen.

Stromfressender Standby-Betrieb von Geräten gehört jetzt ebenso der Vergangenheit an wie Wärmeverluste in Werkstätten, Lagerhallen und Ladengeschäften. Diese wurden von den Energieberatern durch Wärmekameras ermittelt und mittels Abdichtungen beseitigt. Dadurch konnte in Schönes Goldschmiede nebenbei auch das Raumklima verbessert werden, erzählt sie erfreut.

Für Margret Beinert-Knotte, langjährige Mitinhaberin des Essener Elektrotechnikbetriebs mit 24 Angestellten und vier Azubis, gab das Netzwerk einen entscheidenden Anstoß, der sie aufrüttelte, „erfolgreich energetisch zu optimieren und zudem das Beratungspotenzial für unsere Kunden zu verbessern“, bevor sie und ihr Mann den Familienbetrieb kürzlich an ihren Sohn übergaben.

Überall im Elektrobetrieb spenden nun moderne LED-Leuchten optimales Licht, gesteuert durch Präsenzmelder. Die viel zu tiefe Kühltemperatur im Serverraum wurde wenige Grad höher eingestellt und optimiert. Allein damit kann eine Menge Strom gespart werden. Die alte Ölheizung soll durch eine effiziente Wärmepumpe ersetzt werden. Demnächst wird der Kundendiensttechniker im Elektroauto zum Kunden fahren. Als weiterer Schritt soll eine Photovoltaikanlage auf dem Dach einen Teil der Stromversorgung durch erneuerbare Energie übernehmen.

Für ihren Pioniergeist, das erste Effizienz-Netzwerk im Handwerk zu gründen, wurden die Essener Unternehmerfrauen im September 2016 auf der ersten Jahrestagung der Initiative Energieeffizienz-Netzwerke durch das BMWi und das BMUB mit einer Urkunde ausgezeichnet. Moderatorin Gabriele Poth bestärkt das. Sie wünscht sich mehr Nachahmer im Handwerk. In Leipzig und Ulm verbündeten sich inzwischen Handwerksbetriebe zu weiteren Energieeffizienz-Netzwerken.

Infobox Energieeffizienz-Netzwerke
Aktuell sind in Deutschland rund 1.300 Unternehmen in 131 moderierten Netzwerken unter dem Dach der Initiative Energieeffizienz Netzwerke aktiv, die von der Bundesregierung und 22 Wirtschaftsverbänden unterstützt wird. Die Geschäftsstelle wird von der dena (Deutsche Energie-Agentur) geführt und vom BMWi finanziert. Mindestens 5 bis maximal 15 Unternehmen können ein moderiertes Netzwerk gründen. Die Laufzeit beträgt in der Regel zwei bis drei Jahre. Jedes Netzwerk meldet sein gemeinsames Einsparziel an die dena. Die Umsetzung wird durch ein externes Monitoring geprüft. Derzeit werden Energieeffizienz-Netzwerke in drei Bundesländern finanziell unterstützt: Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen. Weitere Bundesländer fördern Netzwerke indirekt über Beratung und Information seitens Dritter. Wer ein Netzwerk gründen will, findet hier alle Informationen:   effizienznetzwerke.org oder unter:    http://www.deutschland-machts-effizient.de/KAENEF/Redaktion/DE/Standardartikel/Dossier/handwerk-profitiert-vom-energieeffizienz-netzwerk.html

Quelle und Pressekontakt:
Medienbüro „Deutschland macht´s effizient“
Im Auftrag des BMWi
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10115 Berlin
Internet: www.machts-effizient.de
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Dipl.-Ing. Peter Scharfenberg

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